Städtereise ins kanadische Montreal 

Direkt nach Paris ist Montreal die  größte französischsprachige Stadt der Welt und liegt wie ihre europäische Schwester am bzw. eher im Fluss: Am Zusammenfluss des  Ottawa Rivers und des mächtigen  Sankt-Lorenz-Stroms nämlich, wo sich die 1,6 Millionen-Metropole auf der Île de Montréal ausbreitet. Das von der Regierung 1977 verabschiedete Gesetz 101 bestimmt Französisch als Amtssprache und führte dazu, dass mehr als 100.000 englische Muttersprachler das Land verließen - über eine Autobahn, die seither den Beinamen Highway 101 trägt.
 
Apropos Namen: Den hat die Stadt vom 233 Meter hohen Hausberg Mont Royal inmitten ihres Zentrums. Auf dem Berggipfel ist mit dem bewaldeten Mont-Royal-Park seit 1876 eine riesige Grünfläche. Über 60.000 Zedern, Fichten und Ahornbäume gibt es dort, dazu Wiesen, Alleen sowie einen künstlich angelegten See. Zwei Aussichtsplattformen bieten einen tollen Ausblick auf die Metropolregion mit den vielen Gesichtern und Attraktionen.
 
 

Schmelztiegel der Kulturen

Outremont, Ville Marie und die restliche  Ostseite sind fest in französischer Hand - kein Wunder, wurde die Stadt 1642 doch unter französischer Krone gegründet. Noch heute sind die Viertel südlich des Sankt-Lorenz-Stroms geprägt von gemütlichen Bistros, kleinen Boutiquen und blumengeschmückten Balkonen. Doch auch auf das alte England trifft man in Montreal: Auf der Westseite, etwa im Wohn- und Einkaufsviertel Westmount, findet man Häuser mit gepflegten Vorgärten im Stil der britischen Jahrhundertwende, in den Pubs wird Bier getrunken und Schüler in Uniform kreuzen die Straßen, die vereinzelt - und illegalerweise - noch englisch beschildert sind. Die unsichtbare Grenze zwischen Klein- England und Klein-Frankreich ist der Boulevard Saint-Laurent. Bunt durcheinandergewürfelt, treffen an dieser Straße - einem Mikrokosmos gleich - nicht nur die beiden Hauptkulturen, sondern auch viele der über achtzig Minderheiten zusammen, die in Montreal ihre Heimat gefunden haben. Da finden sich chinesische Heilkräuterläden und italienische Cafés ebenso wie griechische oder  jüdische Bäckereien und mexikanische Tapas-Restaurants.
 
 

Shoppen Im Kaninchenbau

Ideal für kauffreudige Touristen und nahezu perfekt in den oft bitterkalten und schneereichen Wintermonaten ist die fast 30 Kilometer lange, sich über mehrere Ebenen erstreckende „Underground City“. Da kann es überirdisch winden oder schneien, wie es will - die riesige, wetterresistente Shopping Mall lässt mit über 2.000 Geschäften, 200 Restaurants und fast 30 Kinos so schnell keine Langeweile aufkommen. Dank der gut funktionierenden, zuverlässigen U-Bahn sind die einzelnen Passagen bequem erreichbar und selbst die Randgebiete erschließt das weitläufige Streckennetz. 
 
 

Kultur

Zusammen mit Toronto ist die zweitgrößte Stadt Kanadas  das Handels-, Industrie- und Wirtschaftszentrum   des östlichen Landesteils. Moderne, eindrucksvolle Bauten mit Glas- und Steinfassaden, avantgardistische Skulpturen und Springbrunnen im neu geschaffenen Quartier International bilden das optische Gegenstück zur pittoresken Altstadt - übrigens der größten Altstadt in ganz Nordamerika. In dieser scheint die Zeit fast stehengeblieben und noch heute kann man mit der Pferdekutsche durch die engen Kopfsteinpflastergassen von Alt Montreal (Vieux Montréal) fahren, vorbei an Häusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert. 
 
Imposant ist vor allem die  Basilika Notre-Dame im neugotischen Stil. Von außen relativ schlicht, überrascht sie mit ihrem umso pompöseren Innenleben: Das Blau des schweren Teppichbodens wiederholt sich an der mit güldenen Sternen verzierten  Decke, die bunten Glasmalereien zeigen einen historischen Querschnitt der Stadtgeschichte und Ihre Orgel verfügt über mehr als 7.000 Pfeifen. Ein Besuch des religiösen Prunkbaus gehört zum Pflichtprogramm - auch wenn man sich nicht wie beispielsweise Celine Dion 1994 darin trauen lassen möchte.
 
Höhepunkt der vielen jährlichen Festivitäten ist eindeutig im Sommer erreicht, wenn die zweitgrößte Stadt Kanadas mit zahlreichen Großveranstaltungen aufwartet. Vom Feuerwerkswettbewerb Loto-Québec über das Formel-1-Rennen „Grand Prix du Canada“ oder das internationale Jazzfestival, das regelmäßig mehr als eine Million Zuschauer anlockt, ist für jeden etwas dabei. Französisch, englisch, amerikanisch, nostalgisch und modern: Montreal verbindet auf charmante Weise seine Gegensätze, ist vielseitig, tolerant und vor allem gastfreundlich. 
 

Quelle: Kundenmagazin FREIZEIT 08/2010, Autor: Rebecca Reichenbach

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