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Madeira - Auszeit vom Winter auf der Blumeninsel

Portugal
von Jörn Sewing
erstellt am
20.02.2020

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blick auf madeiras flughafen


ausblick auf funchal
h user von santana
fischerboote camara de lobos
ausblick von monte
blick auf canical
madeira ostk ste
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Madeira - Auszeit vom Winter auf der Blumeninsel

Stationen der Rundreise:
  • Madeira
  • Caniço
  • Funchal
  • Câmara de Lobos
  • Calheta
  • Canical
  • Machico
  • Pico do Arieiro
  • Porto Moniz
  • Santana
  • Ponta do Sol

Schmuddelwetter im Dezember: Kein Wunder, dass ich urlaubsreif & sonnenhungrig bin. Die Kurzfristangebote sind schnell gecheckt und ehe ich mich versehe, sitze ich auch schon mit meiner Frau im Flieger nach Madeira.

Nach rund 4 Stunden erreichen wir bereits unser Ziel. Wie immer ist der Landeanflug auf Funchal spektakulär. Schließlich ist die einzigartige Landebahn auf riesigen Pfeilern ins Meer gebaut und schon von weitem erkennbar. Von oben ist die Aussicht auf die Blumeninsel einfach nur herrlich. Ich erblicke die beeindruckenden Berge, die wunderschöne Küste sowie die Inselhauptstadt Funchal und kann es kaum erwarten, endlich auf Entdeckungstour zu gehen.

Condor setzt pünktlich zur Landung an. Jetzt noch schnell zur Mietwagenstation und bereits eine halbe Stunde später checken wir auch schon im Hotel Riu Palace in Canico de Baixo ein. Ok, das Hotel ist ein bisschen in die Jahre gekommen, aber das wussten wir vorher. Dafür aber ist der Service super. Alle Mitarbeiter sind sehr herzlich & gastfreundlich und das Essen ist klasse. Was will man mehr.

Ich bin zwar nicht zum ersten Mal auf der Insel, aber tatsächlich zum ersten Mal im Winter. Mir war durchaus bewusst, dass das Wetter hier schnell umschlagen kann, aber im Dezember ist es meiner Meinung nach doch noch ein bisschen heftiger. Natürlich variiert es innerhalb der Insel je nach Höhenmeter, Tageszeit und ob man sich an der Nord- oder Südküste aufhält. In Canico de Baixo z. B. kann die Sonne scheinen, doch hinter dem nächsten Berg, kann es zum dicken Regenguss kommen. Was ich auf jeden Fall sagen kann: Eine Regenjacke gehört mit ins Gepäck. Von den Temperaturen ist es jedenfalls sehr angenehm. Während unserer Urlaubswoche schwanken die Temperaturen zwischen 17 und 23 Grad. Eigentlich herrscht hier gerade typisches Aprilwetter.

Gleich mehrfach ist es innerhalb unserer Urlaubswoche so, dass uns das Wetter einen gewaltigen Strich durch die Planung macht und wir umdisponieren müssen. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Nordküste erheblich regenreicher ist und da ab Mittag die Wolken oft tief hängen, lohnt sich in der Regel frühes Losfahren. Leider haben wir Pech als wir den dritthöchsten Berg der Insel den Pico Arieiro hochfahren wollen. Oben auf 1.818 m angekommen, wird das Aussteigen aus dem Auto zur großen Herausforderung, so stürmisch ist es. Der Wind peitscht uns um die Ohren und wirklich sehen können wir nichts so nebelig ist es. Schade, aber wir kommen ganz bestimmt wieder.

Unvergesslich schön ist dafür der nächste Tag. Strahlend blauer Himmel, die Sonne lacht und wir genießen unser Frühstück auf der Terrasse. Heute zeigt sich Madeira von seiner schönsten Seite. Funchal steht auf dem Programm. Unser Auto lassen wir am Hotel stehen. Schließlich fährt gleich fünfmal am Tag ein kostenloser Hotelshuttle in die Hauptstadt und genau den nehmen wir auch. Das Verkehrschaos in Funchal müssen wir uns nicht wirklich antun. Nach rund 25 Minuten Fahrtzeit werden wir direkt an der Seilbahnstation rausgelassen. Wir haben Glück: Die Schlange am heutigen Tag ist sehr übersichtlich. Vielleicht liegt es daran, dass heute nur zwei Kreuzfahrtschiffe im Hafen liegen. Jedenfalls vergehen gerade einmal 10 Minuten und wir sitzen schon in der Gondel. Was für ein Anblick! Ein Fotomotiv jagt das nächste. Mit jedem weiteren Anstieg verändert sich die Perspektive und ich genieße die Aussicht. Viel zu schnell erreichen wir die Bergstation Monte, aber natürlich gibt es auch hier viel zu entdecken. Oben angekommen heißt es erst einmal den Blick ins Tag genießen. Hier oben ist es tatsächlich ein wenig kühler als unten im Tal. Gut, dass ich meine Jacke dabeihabe. Direkt neben der Seilbahnstation befindet sich der Tropische Garten von Funchal. Dieser Garten soll einer der schönsten weltweit sein. Also ist es kein Wunder, dass wir uns für einen Besuch der Anlage entscheiden. Die 10 € Eintritt sind gut investiertes Geld, denn der Garten ist wirklich sehr gepflegt und einfach nur wunderschön. 2-3 Stunden kann man hier locker verbringen. Nach einem ca. 2 stündigen Spaziergang durch den Park, lehnen wir uns entspannt in einem netten Café zurück und genießen einfach nur. Jetzt haben wir die Qual der Wahl: Theoretisch können wir noch eine Seilbahnstation höher zum Botanischen Garten von Funchal fahren, aber wir wollen ja auch noch durch Funchal bummeln. Also heißt es nun: Wieder mit der Bahn runterfahren, runterlaufen oder mit dem Korbschlitten ins Tal fahren? Natürlich entscheiden wir uns für die rasante Fahrt mit dem Korbschlitten. Was für ein Spaß! Übrigens wurden bereits Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Korbschlitten als schnelles Transportmitte für die Bewohner Montes eingeführt und nun sind sie die Touristenattraktion auf Madeira! Klar, die Fahrt ist nicht günstig. Aber unter dem Aspekt, dass die Seilbahnfahrt auch nicht umsonst ist, sind die 30 € gut angelegtes Geld. Gerade einmal 10 Minuten dauert die Fahrt und ehe wir uns versehen, sind wir auch schon unten angekommen. Schnell noch ein Erinnerungsfoto kaufen und ab in die Altstadt, schließlich gibt es noch viel zu entdecken.

Nach unserem Vormittag in Monte suchen wir als erstes den beliebten Markt (Mercado dos Lavradores) auf. Trotz vorgerückter Stunde herrscht hier immer noch reges Treiben. Schnell entfliehen wir dem Gewusel und machen eine nette Bar in der ersten Etage ausfindig. Über den Dächern von Funchal Poncha trinken das macht man nun wirklich nicht alle Tage. Ausgeruht geht es weiter durch die Stadt vorbei an vielen interessanten Geschäften, Restaurants und Bars. Funchal ist ein wahres Shopping Paradies. Allerdings haben wir dafür heute keine Zeit. Schließlich haben wir noch ein Date mit Europas erfolgreichstem Fußballer. Unten am Hafen wartet Cristiano Ronaldo auf uns. Ok, die Bronzestatue sieht ihm nicht ganz so ähnlich. Aber Hauptsache das Foto mit Ronaldo ist im Kasten. Jedenfalls sind die Insulaner alle ganz stolz auf ihren Ehrenbürger. Theoretisch könnten wir jetzt noch ins CR7 Museum gehen, aber ganz so große Ronaldo Fans sind wir dann doch nicht. Wir schlendern noch ein wenig an der Promenade entlang und schließlich geht ein ereignisreicher Tag zu Ende.

Nicht nur die Korbschlittenfahrt auf Madeira ist ein echtes Abenteuer. Eigentlich reicht es auf Madeira in ein Auto zu steigen und loszufahren. Damit meine ich noch nicht einmal den waghalsigen und rasanten Fahrstil der Portugiesen, sondern die teilweise echt steilen kurvenreichen Straßen. Das ist nur etwas für geübte Fahrer mit starken Nerven. Glauben Sie mir: Manche Steigungen haben es echt in sich! Manche tiefen Abgründe am Wegesrand erwähne ich gar nicht erst. Insgesamt sind die Straßenverhältnisse auf der Insel aber sehr gut. Immer wieder passiert man reichlich Tunnel & Brücken. Wenn man auf all das vorbereitet ist und die plötzlich stark aufkommenden Seitenwinde nicht unterschätzt, kann die sehr schöne Landschaft und Natur Madeiras in vollen Zügen genießen.

Mein ganz besonderer Tipp ist die Tour in den Westen Madeiras bei der wir während des gesamten Tages durch tiefe Täler und traditionelle Fischerdörfer fahren. Gut gestärkt nach einem ausgiebigen Frühstück starten wir in dem malerischen Ort Camara de Lobos und entfliehen dem hektischen Treiben von Funchal. Dabei liegt das Fischerdorf nur unweit der Inselhauptstadt entfernt. Bunte Fischerboote liegen im Hafen und meine Kamera läuft bei den vielen Fotomotiven auf Hochtouren. Einen weiteren Zwischenstopp legen wir am Cabo Girao ein. Es ist das höchste Kapp Europas und vom gläsernen Skywalk könnten wir theoretisch eine atemberaubende Aussicht in die Tiefe genießen. Als wir jedoch aus dem Auto steigen, schüttet es leider und der Wind ist so stark, dass wir doch lieber schnell wieder umkehren. Schade! Weiter fahren wir vorbei an der Riberia Brava bis nach Calheta wo ein künstlich, aber schön angelegter Sandstrand auf uns wartet. Bei schönerem Wetter kann ich mir wirklich gut vorstellen, hier mal einen Strandtag einzulegen. Heute hingegen ist es nur nass und ungemütlich. Deswegen geht es auch direkt weiter. Bei inzwischen besserem Wetter überqueren wir Madeiras höchstes Hochplateau. Von hier bietet sich eine ganz tolle Aussicht auf beide Inselseiten. Wir erblicken unser heutiges Ziel: Die raue Nordküste, wo die Wellen des Atlantiks auf die Klippen treffen. Wir stoppen in Sao Vicente bevor letztendlich unsere Tour in Porto Moniz endet. Schnell finden wir ein nettes Café mit einer Traumaussicht auf die vulkanischen Pools von Porto Moniz und lassen den Tag noch einmal Revue passieren. Jetzt haben wir nur noch ein Ziel: Schnell wieder zurück ins Hotel und den Abend ganz gemütlich ausklingen lassen.

Nachdem wir nun den Westen Madeiras kennengelernt haben, freuen wir uns umso mehr auf den Osten. Nach dem Frühstück verlassen wir Canico de Baixo, fahren vorbei an Santa Cruz und erleben bereits ca. 20 Minuten später unser erstes Highlight. Wir nähern uns dem Flughafen und fahren plötzlich direkt unterhalb der eindrucksvollen Start- und Landebahn. Über uns landet gerade ein Flugzeug und wir sind quasi unmittelbar darunter. So etwas gibt es auch nur auf Madeira. Machico ist heute unser erstes Ziel. Der Ort wirkt sehr einladend, jedoch ein wenig verschlafen. An der Strandpromenade lässt es sich gemütlich bummeln, doch wirklich viel ist heute Vormittag in den Cafés nicht los. Also geht es auch direkt weiter nach Canical. Das Walmuseum ist die Attraktion des Ortes, doch wir haben ein ganz anderes Ziel im Visier: Die Halbinsel Sao Lourenco, welche wir von Canical ganz wundervoll erblicken können. Die Ponta de Sao Lourenco ist die östlichste Halbinsel auf Madeira mit einer Gesamtlänge von insgesamt 9 km und einer Breite von 2 km. Nie hätte ich gedacht, dass Madeira so trocken und karg sein kann. Auf jeden Fall ist die Halbinsel ein einziges Wanderparadies. Mein Tipp: Ein paar Stunden Zeit einplanen, wandern gehen und den Fotoapparat nicht vergessen! Es erwartet Sie eine für Madeira untypische, aber doch sehr eindrucksvolle Wanderung: Karge Landschaft und keine Levada weit und breit.

Tatsächlich gibt es noch ein weiteres Fotomotiv auf Madeira, welche ich noch unbedingt vor meiner Abreise im Kasten haben möchte und zwar sind dies Häuser von Santana. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, in den kleinen, dreieckigen Häuschen mit den typischen Strohdächern wohnen Hobbits. Ok, ein paar Häuser mehr habe ich mir in Santana schon vorgestellt. Trotzdem gefällt es mir hier im Norden der Insel sehr gut und ein Ausflug hierhin lohnt sich auf jeden Fall.

Ich muss gestehen, Madeira beeindruckt mich wirklich sehr: Atemberaubende Steilküsten, tiefgrüne Lorbeerwälder, einzigartige Levadas, beeindruckende Bergpässe, malerische Fischerdörfer, die wunderschöne Inselhauptstadt Funchal, spektakuläre Seilbahnen und nicht zu vergessen die rasante Korbschlittenfahrt. Ich erlebe eine Woche der Superlative!

Noch eine Anmerkung zur Jahreszeit: Es ist Dezember und ein ganz besonderer Zauber liegt über der Insel: Weihnachten steht vor der Tür. Besonders auf Madeira wird dieses Fest ganz groß gefeiert und entsprechend befinden sich die Portugiesen alle in Weihnachtsstimmung. In jedem noch so kleinem Ort oder Gemeinde sind die Straßen festlich geschmückt und überall steht eine wunderschön hergerichtete Krippe. In der Inselhauptstadt Funchal herrscht in den belebten Einkaufsstraßen wuseliges Treiben. Überall in wirklich jeder Ecke sind Lautsprecher angebracht und wir lassen uns mit White Christmas und Jingle Bells berieseln. Die Insulaner wirken einerseits hektisch schließlich müssen ja noch Geschenke und Lebensmittel für das Fest gekauft werden andererseits sitzen die Madeirer ganz gemütlich draußen in den Cafés, lassen sich von der Sonne bescheinen und unterhalten sich ganz entspannt mit Freunden. Irgendwie wirkt hier alles relaxter und trotz der Wärme sogar weihnachtlicher. Ein absolutes Muss in Funchal ist natürlich der Mercado de Natal. Nicht gerade wenig Holzbuden sind hier aufgebaut. Ich rieche leckeres Bolo do caco (Knoblauchbrot) und nebenan stehen die Leute Schlange für Poncha, dem Traditionsgetränk auf Madeira, bestehend aus frisch gepresstem Zitronensaft, Honig und Zuckerrohrschnaps. Auf der gegenüberliegenden Seite sitzt ein übergroßer 2,5 m Weihnachtsmann mit dem irgendwie jeder ein Foto schießen möchte und ein paar Schritte weiter steigt mir Kastanienduft in die Nase. Boas Festas!

Immer wieder erblicke ich in der Stadt sowie unten am Hafen Plakate, welche die große Silvesterparty mit einem gigantischen Feuerwerk ankündigen. Schade, dass mein Urlaub schon kurz vor Weihnachten zu Ende ist. Das Feuerwerk zählt nämlich mit zu den schönsten weltweit. Nicht ohne Grund liegen in der Silvesternacht so viele Kreuzfahrtschiffe vor Madeira auf Reede. Wer weiß, vielleicht komme ich das nächste Mal mit dem Schiff zum Jahreswechsel nach Madeira. Das wäre auf jeden Fall ein ganz besonderes Erlebnis.


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